Donnerstag, 28. Mai 2009

Scheiß auf die Demokratie! Und die Gerechtigkeit!

Es ist also soweit. Der Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise ist offiziell erreicht. Ab jetzt geht es wieder bergauf. Haha, guter Witz. Pure Schönrederei wohl vor der Wahl. Eigentlich kann nämlich niemand vorhersagen, wann der Tiefpunkt erreicht sein wird, geschweige denn wie tief er nun wirklich sein wird. Volkswirtschaftler rechnen mit 2011 oder 12.
Aber nun ja, wer fühlt sich schon wirklich davon betroffen, auch wenn alle reden? Da liegt ja nämlich das Problem. Wir sollten uns betroffen fühlen! Weil wir ausgenommen werden! Banken werden gerettet, damit das Finanzsystem nicht vollends zusammenbricht, Unternehmen werden gerettet, damit Arbeitsplätze gesichert werden. Haa! Notleidende Banken, dass ich nicht lache. Wer leidet den Not? Die Bänker, die immer noch Millionensummen einstreichen und das obwohl sie oft einen wesentlich Teil zu der Krise beigetragen haben? Oder die breite Masse der arbeitenden Menschen?

Schließlich wurde uns jahrelang zu verstehen gegeben, es sei kein Geld mehr da für Jugend, Bildung und Soziales. Nun werden plötzlich Milliarden locker in Konjunkturpakete gesteckt. Natürlich, auch waren mehrere Mio Euros für das Bildungssystem vorgesehen. Schon wieder so ein Lacher. Neugestrichene Schulflure verbessern unser Bildungssystem enorm! Vor allem weil kein Geld für mehr reicht, für richtige Verbesserung. Z.B. neue Lehrer, kleinere Klassen etc. Das Gros der Konjunkturpakete wurde den Banken und Unternehmen in den Rachen geworfen. Leute verzocken unser Geld, fahren Banken und Unternehmen an die Wand und als Dank kassieren sie die Steuergelder.

Okay, vielleicht ist es ja wirklich nicht die Schuld von ein paar einzelnen Managern. Vielleicht liegt die Schuld beim Kapitalismus selbst? Produktivkräfte haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich entwickelt. Weniger Arbeitskraft reicht um mehr Waren zu produzieren. Gleichzeitig muss die Bevölkerung erhebliche Steuern blechen müsen. Es bleibt weniger Geld übrig der in Konsum gesteckt werden kann. Das Angebot wird größer, während die Nachfrage geringer wird. Dadurch bleiben Gewinne in Unternehmen aus. In die wird jetzt wieder Geld gepumpt (siehe Opel). Wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit? Während Arbeiter immer weniger zum Leben haben und die Armut in Deutschland rapide zunimmt werden Steuergelder, die ohnehin nicht existieren sondern die Staatsverschuldung noch höher werden lassen, den Unternehmen gegeben, die damit noch mehr produzieren werden.

Die Entwicklung läuft immer mehr in die Richtung einer Proletarier und Bourgesoisie-Gesellschaft. Doch die Gerechtigkeit in Deutschland hat dieser Tage zusätzlich zu den finanziellen Ungerechtigkeiten noch einen weiteren Rückschlag erhalten. So wird der Strafprozess in den Gerichten abgeschafft, ersetzt durch den sogenannten "Konsensprozess". Kurzum: Ein Straftäter, der sich zu einem Deal bereit erklärt und andere Straftäter verpfeift, kann mit Strafmilderung oder Straffreiheit rechnen! Ab sofort wird das Gericht zu einem Basar, wo über die Strafe verhandelt wird. "Wenn ich dies Aussage, bekomme ich diese Strafmilderung."
(http://www.sueddeutsche.de/politik/570/470121/text/)
Aber wer erwartet in Deutschland denn schon Gleichheit und Gerechtigkeit vom Gesetz? Während erst vor kurzem der Strafkatalog der Straßenverkehrsordnung erheblich verschärft worden ist, genießen Abgeordnete der Bundes- oder Landesparlamente immer noch strafgesetzimmunität. Das heißt: Während wir mehr blechen müssen für Geschwindigkeitsüberschreitungen, dürfen Politiker ungestraft über die Straße heizen und zusätzlich noch ungeschoren Unmengen von CO2 in die Luft ausstoßen, für das wir immer erheblichere Steuern blechen müssen?

Ja, Deutschland entwickelt sich immer mehr zu einem unsozialen Ungerechtigkeitsstaat! Und das allerschlimmste: Das deutsche Volk lässt das mit sich machen! Wann ist der Punkt erreicht, wann werden endlich die Leute auf die Straße gehen um dagegen zu demonstrieren und zu sagen: "Nein, wir bezahlen nicht für eure Krise!" und "Nein, wir wollen keinen Überwachungsstaat in dem Willkür herrscht!"?

Freitag, 22. Mai 2009

Schlicht geradeaus...

Letzte Woche hat mein Vater mich mit einer neuen CD überrascht - endlich ist die neue Blueside CD da! Selten hab ich mich so über eine neue CD gefreut, nachdem ich ihn in die Schule gefahren hab, hab ich auch auf meine zusätzliche Stunde Schlaf gepfiffen, die ich mir noch hätte gönnen können. Erstmal musste die CD in das Abspielgerät geworfen werden und ein erster Eindruck geholt werden. Mittags konnte ich mir sie dann auf einer längeren Autofahrt ganz genüßlich reinziehen.
Tolles Ding muss man sagen. Klassischer Chicago-Blues, kräftig, schnörkellos, geradeaus. Besitzt aber keinesfalls die Virtuosität anderer Bands, aber das würde auch ein bisschen den Sound zerstören. Blueside steht für klassischen einfachen Blues, 3 Leute - Drums, Bass, und eine spackige Gitarre - manchmal auch nur 2 - Bass und Gitarre - und manchmal 4 - mit Harpspieler. Sie verzichten auf jegliche Verblümung der Rhythmen, manchmal hört man auch nur das einfache Bluesschema im Hintergrund. Aber wie gesagt, das macht die Sache auf keinen Fall unschöner.
Day's Work, der Name ist schließlich Programm. So heißt es nun auch im Alltag einfach gerade aus durch die Arbeit und ab ins Vergnügen. Ja, man fühlt sich schon fast in die alten Zeiten aus der Hochzeit dieser Musikrichtung zurückversetzt, wie die alten, schwarzen Blueser, ebenfalls mit einem sehr einfachen Sound über ihren langweiligen Alltag gesungen und gespielt haben, nur um selbigen erträglicher zu machen.
So fühlt man sich auch in jeder Note an klassische Songs wie den "Hoochie Coochie Man" von Muddy Waters (eine tolle Version auf der ersten Platte von Blueside übrigens) zurückerinnert. Einfach und schlicht, keine Innovation, aber doch klasse. Es muss ja nicht immer was neues sein, man kann sich auch auf die guten alten, bewährten Sachen verlassen, grade beim Blues oftmals besser als immer neue Sachen mitreinzupacken. Dann wird die Musik zu verschnörkelt und passt einfach zu der puren Blues-Mentalität.
Ist und bleibt auf jeden Fall meine favorisierte regionale Band und ich muss dringend mal wieder auf einen Gig von denen ;-)

Sonntag, 3. Mai 2009

Okay, der Sinn des Lebens. Ein einfaches Thema. Und zwar durchaus zu beweisen. Auch mit Mathematik. Man glaubt es kaum. Aber er ist doch für jeden Menschen gleich. Es gibt keine Individualität - alles nur eine schöne Illusion, die wir Menschen uns geschaffen haben um die Sinnlosigkeit (haha, welch Ironie bei diesem Thema) des Lebens etwas erträglicher zu gestalten.

Also. Im Prinzip können wir...ähh, müssen wir von einer Dualität aller Dinge ausgehen. Schwarz und Weiß. Leben und Tod. Mann und Frau. Gibt von allem ein Gegenstück. Ja selbst Giraffen haben ihre Gegenstücke. Keine Giraffen sind das Gegenstück zu Giraffen, klingt logisch oder? Also, wenn wir von dieser Dualität der Dinge ausgehen, ist klar, dass der Tod wohl genauso zum Leben dazu gehört, wie zum Mann die Frau.
Weiterhin kann man diese Theorie über den Sinn des Lebens mit einer mathematischen Kurve beschreiben, deren Name mir grade entfallen ist (wer brauch den schon Namen bei dieser weltbewegenden Theorie). Aber stellt euch vor: Die Kurve steigt zunächst aus dem Nullpunkt recht flach an, wird immer steiler und an dem Punkt an dem sie senkrecht beginnt zu steigen, ist der Maximalwert erreicht und die Kurve fällt. Zunächst steil, dann immer flacher bis kurz vor den y-Nullwert und dann beginnt die Kurve wieder flach anzusteigen. Diesmal ist der Maximalwert einen kleinen Tick höher als bei der vorherigen und der Minimalwert einen kleinen Tick geringer als bei der vorherigen.
Nun, interpretieren wir die Kurve so. Die x-Achse steht für Lebensjahre, die y-Achse steht für Weisheit. Die Kurve zeigt den Verlauf der Weisheit eines Menschen, über sein Leben - genauer: seine Leben. Denn aufgrund der Dualität der Dinge, nachdem dje Weisheit des Menschen auf dem Sterbebett (Maximalwert der Kurve) am größten ist, muss ja folglich danach der Minimalwert folgen (also der Tod oder wie man nun ethisch korrekt sagen müsste, die dümmste Phase eines Menschenleben). So, das würde weiterhin heißen, dass aus dem Minimalwert ein neues Leben entsteht. Ohne Tod kein Leben - und umgekehrt (sehr beruhigende Theorie wie ich finde).

Unsere ganzen Erkenntnisse jetzt mal in den Kontext vom Sinn des Lebens gesetzt. Wir leben um unser ganzes Leben nach der absoluten Weisheit zu streben. Wir können sie nicht erreichen, weil uns Grenzen gesetzt sind. Wenn unsere Weisheiten am größten ist, sterben wir und fangen wieder bei Null an. Wir leben erneut, streben ein weiteres Mal nach der absoluten Weisheit und wenn wir nun wieder im Sterbebett liegen, wissen wir, dass wir wenigstens nun ein bisschen schlauer als beim letzten Mal sind (ja, lest euch zur Not noch einmal die Beschreibung der Kurve durch...ich weiß, ich hätte sie aufmalen sollen, ich find nur meinen Edding nicht...).

Um noch eine letzte Frage zu klären: Wie kann man für den Menschen den Begriff der "absoluten Weisheit" definieren? Der Mensch ist im Prinzip ein Lebewesen wie jedes andere auf der Erde - ein Tier. Nein, keine Pflanze, eher ein Tier. Sollte man also den Mensch auf seine wahren Grundbedürfnisse (Instinkte) reduzieren und jegliche unwichtigen Gesellschaftlichen Bedürfnisse ausblenden, da sie uninterinteressant für unsere kleine Theorie sind, dann ist der Mensch ein vom Selbsterhaltungstrieb am Leben gehaltenes und vom Selbsterhaltungstrieb zur Fortpflanzung getriebenes und von der Größe des Gehirns zur Selbstverwirklichung getriebenes unwichtiges Etwas. Somit haben wir die Stützpfeiler der für den Menschen absoluten Weisheit zusammengefasst.

Nach der nun erfolgten Klärung der Eckdaten, können wir uns der Frage nach dem Sinn des Lebens widmen. Der Sinn des Lebens ist also ein Leben lang nach Selbstverwirklichung zu streben, sich Fortzupflanzen und am Leben zu bleiben. Den für uns optimalsten Zustand erreichen wir auf dem Sterbebett (also nicht körperlich, ich kenn ehrlich gesagt kaum jemanden, der dort liegend noch einen Marathon hätte laufen können). Danach sterben wir und alles fängt von neuem an.

So und was können wir nun mit diesem Wissen anfangen? Wir wissen, dass wir in diesem beschissen Elend namens Leben bis zum Tod abwarten können, weil wir erst da zu den Kings werden. Es ist egal wie wir uns bis dahin die Zeit vertreiben, unsere Weisheit erreicht auf jeden Fall dort den Höhepunkt. Egal ob wir uns gut oder schlecht benehmen.

Ein Kumpel und ich haben eine ähnliche Theorie, die damals auch wirklich plausibel begründet war, in einem Anflug von absoluter Weisheit im Alkoholrausch aufgestellt. Leider kriegen wir beide nun nicht mehr die ganze Theorie hin und auch die Begründungen lassen einiges zu wünschen übrig. Ich wette, unsere Gedanken könnte sowieso niemand nachvollziehen der nüchtern ist. Ich fürchte nämlich, in jener Schicksalsträchtiger Nacht haben wir mit dem Alkohol auch unsere grenzenlose Weisheit aus dem Körper ausgeschüttet. Verdammt eigentlich...

Dienstag, 28. April 2009

Verf*** Scheiß-Tage

Es gibt diese Tage, wo eigentlich alles gut läuft (oder zumindestens nichts wirklich schlecht läuft), man aber trotzdem von der ganzen Welt angenervt wird. Man will einfach liegen und seine Ruhe haben, wobei einen gerade dies auch aufregt, weil man ja eigentlich so viele sinnvolle Sachen machen könnte. Man kann sich aber nicht aufraffen, weil man einfach zu fertig ist. Und man weiß, irgendwann schlägt sich diese Faulheit wieder in noch mehr Stress nieder. Und mir fehlt eindeutig Schlaf. Aus welchem Grund auch immer, ich hab mittlerweile seit eineinhalb Wochen nicht mehr richtig ausgeschlafen. Gut okay. Am Wochenende hatte das auch etwas mit meiner Prioritätenverteilung zu tun. Wobei es sich im Nachhinein rein gar nicht gelohnt hat, da ich Freitag meine (für meine Verhältnisse ewig lange) Abstinenz beendet habe. Aber in den 3 Wochen Party ohne Alkohol habe ich gemerkt, es ist leicht er als vorgestellt. Und ich habe nun nicht mehr die Einstellung Party ohne Alk geht nur schwerlich. Eigentlich hab ich sogar gar keine Lust mehr drauf. Man hat einfach keine wirklich Kontrolle mehr über sich, ich glaub, die peinlichen Trunkenheits-Geschichten reichen erst mal...
Vor allem man trinkt, ist gut drauf und könnte die ganze Welt umarmen. Dann ist jemand nett, und man würde sowieso jeden bespringen, aber diejenige versteht das falsch und rafft nicht, dass man nüchtern eigentlich nix mit ihr zu tun haben will. So quält man sich wieder nüchtern die nächsten Tage vor Peinlichkeit, was man im Rausch alles angestellt hat und würde den Abend am liebsten aus dem Gedächtnis löschen. Aber nein, das liebe Handy und neue Nachrichten auf diesem erinneren einen immer wieder an die schmerzhafte Realität. Okay, ich übertreibe. Trotzdem finde ich es nun besser, mit einem gewissen Grad an Zurechnungsfähigkeit durchs Leben zu gehen. Obwohl ich auch schon andere Zeiten hatte....

Montag, 27. April 2009

Sag ja zu...

Ach, da war ich mal wieder im Kino und der Film hat mich an die wunderbar freiheitliche Einstellung in den 60ern erinnert. Wo man noch irgendwie versuchte, aus der gesellschaftlichen Gewalt die einen zu so vielen Sachen zwingt, zu kämpfen. Man war einfach anders. Die Musik ist da ein anschauliches Beispiel wie ich finde. So wurde die Musik gemacht, woran der Künstler und das Publikum Spaß hatte. Diese konnte dann jeder auf seine Weise aufnehmen. Heute ist diese "geistige Freiheit" wohl nicht mehr in dem Ausmaß möglich, wo der Alltag selbst viel zu freiheitlich erscheint (eine Illusion?). Viel zu sehr ist man auf die eigene Anonymität fokussiert, während man gleichzeitig unbedingt alles über die anderen Menschen erfahren will (womöglich um sich vom eigenen zu tristen Leben abzulenken). Wie widersinnig das Leben doch ist.
So verschwimmt vieles einfach zu "Einheitsbrei". Überall ist der Mainstream am Wichtigsten. Wann ist es wieder Zeit für eine ähnliche, nach Freiheit strebende Bewegung, wie in den 60ern die Hippie-Bewegung oder in den 80ern die Punkbewegung?

So ist doch unsere Freiheit unser höchstes Gut. Die Freiheit einfach zu tun worauf man Lust hat, ohne um sich komische Blicke von anderen Menschen unterziehen zu müssen. Die Freiheit der Gedanken. Unter damit verbundenen Künste. So scheint es doch zum Größtenteil grade bei den Künsten immer nur noch um den Kommerz zu gehen. Deswegen versinkt alles im Einheitsbrei. Wann gab es den letzten großen Maler, dessen Bilder noch in den nächsten paar hundert Jahren in den Museen hängen werden. Wird die Musik der letzten 10 Jahre die Leute in sagen wir mal 30 Jahren noch groß interessieren? Ich bezweifel dies. Zumindest insofern, dass es in 30 Jahren weniger Anhänger der Musik der ersten 10 2000er Jahre gibt, als heute Anhänger der Musik aus den 70ern und 80ern.

Die Leute werden verzweifelter, Doping für den Alltag wird mittlerweile benötigt, nur um nicht irgendwann mit 50 ausgebrannt zu sein. Da will man doch einfach ausbrechen, aber man kann es nicht. Die Freiheit im Alltag geht flöten. Mehr Arbeit, mehr Verpflichtungen, mehr Verantwortung für alle. Und dabei kommt immer weniger für uns rum. Leben wir alle nach diesem Schema. Schule, Arbeiten, Familie, Altersvorsorge, großer Fernseher, großes Haus, hübscher Grabstein. Oder um einen bekannten britischen Film zu zitieren:

Sag ja zum Leben, sag ja zum Job,
sag ja zur Karriere, sag ja zur
Familie. Sag ja zu einem pervers
großen Fernseher. Sag ja zu
Waschmaschinen, Autos, CD-Playern
und elektrischen Dosenöffnern. Sag
ja zur Gesundheit, niedrigem
Cholesterinspiegel und
Zahnzusatzversicherung. Sag ja zur
Bausparkasse, sag ja zur ersten
Eigentumswohnung, sag ja zu den
richtigen Freunden. Sag ja zur
Freizeitkleidung mit passenden
Koffern, sag ja zum dreiteiligen
Anzug auf Ratenzahlung in hunderten
von Scheiß-Stoffen. Sag ja zu
Do-it-yourself und dazu, auf Deiner
Couch zu hocken und Dir
hirnlähmende Gameshows
reinzuziehen, und Dich dabei mit
Scheiß Junk-Frass vollzustopfen.
Sag ja dazu, am Schluss vor Dich
hinzuverwesen, Dich in einer
elenden Bruchbude vollzupissen und
den missratenen Ego-Ratten von
Kindern, die Du gezeugt hast, damit
sie Dich ersetzen, nur noch
peinlich zu sein. Sag ja zur
Zukunft, sag ja zum Leben. Aber
warum sollte ich das machen?

Mittwoch, 15. April 2009

cry guitar cry

Ich kann nicht mehr aufhören. Wenn bei mir im Auto oder daheim Musik läuft ist in letzter Zeit nur lautes Gitarrengejaule zu hören. Ob der von mir ernannte König der Rumheul-Gitarren Gary Moore mit "The Messiah Will Come Again", der etwas unbekanntere Bluesrock-Gitarrist Joe Bonamassa mit "Blues Deluxe", Eric Clapton mit "Layla" oder die alten Gitarrenklassiker "Voodoo Chile", wovon ich übrigens Anfang Januar ein geniales Zusammenspiel zweier Gitarristen im Cafe Hahn in Koblenz sah, bei einem Auftritt der Band "Blueside", ist egal, hauptsache laut und die Gitarre heult und schreit das ganze Leid in die Welt hinaus.

Es ist deswegen komisch, weil ich bisher eigentlich eher nur auf andere Instrumente, wie z.B. gute Harp-Soli abgefahren bin. Naja, gut oben genannte Künstler hab ich eigentlich schon immer gerne gehört, wobei mir z.B. "Voodoo Chile" auch erst seit Anbeginn dieser Phase gefällt. Da scheint der Besuch des Gary Moore-Konzerts wohl einen kleinen Wendepunkt in meiner Geschmacksphase darzustellen...dieser Mann hat mich an diesem Abend einfach in seinen Bann gezogen, wie er da so ziemlich Wortkarg, zumindest was die gesprochenen Wörter angeht, auf der Bühne stand, nur den nächsten Titel ansagte und dann in die Saiten haute. Einfach genial. Er sprach kaum ein Wort, ließ die Gitarre für ihn sprechen und jeder im Raum wusste genau, was der Song aussagte. Naja, jetzt hoffe ich nur noch, dass ich noch schnell Mitfahrer für die Konzerte von B.B. King Anfang Juli in Frankfurt und Joe Bonamassa Ende Juli in Darmstadt finde, denn die Karten dürften schnell weg sein....

Dienstag, 31. März 2009

Ja, ich höre Blues...

Am Samstag war ich nun endlich bei einem Gary Moore Konzert. Das Durchschnittsalter des Publikums lag hoch, bestimmt bei über 40. Eigentlich ist es doch schade, schließlich ist GM ein Könner an seinem Instrument, um nicht zu sagen, dass er vll. auch gar ein Genie daran ist. Das mag auch subjektiv sein. Aber selbst mein vorher noch recht kritischer Bruder, ein Gitarrist in ener regional relativ bekannte Metalband war begeistert (er ist übrigens Mitte 20, zum Thema Alter).
Der Blues ist also am Aussterben, darüber habe ich mich auch mit dem Bluesigitarristen und - harpisten Chris Kramer unterhalten. Als er einen Gig - organisiert von einem Ortsverein, der sich für die Förderung der hiesigen Gastronomie in Verbindung mit Kultur einsetzt - bei uns im Ort gab, dem ein Publikum von ganzen 8 Personen beiwohnte. 6 davon gehörten übrigens zu den Organisatoren. Na gut, okay, Vorteil für mich, mir wurde der Eintrittspreis erlassen. Aber im Prinzip ist das kein gutes Zeichen. Beziehungsweise ein weiteres Indiz dafür, dass eine der traditionellsten und spirituellsten Musikformen am Aussterben ist. Doch wie kann das sein?

Wie kann eine Stilrichtung nicht mehr Salonfähig sein, die die Grundbedürfnisse des Menschen anspricht und beschreibt? So gehen traditionelle Songs doch hauptsächlich über Liebe, Sex und Arbeit. Wobei die Musik trotzdem vielschichtig bleibt. Ein Mann mit einer Gitarre und seiner Stimme, wie z.B. die alten Großmeister Robert Johnson und andere, später Bo Diddley und John Lee Hooker, und natürlich der noch lebende B.B. (Blues Boy) King.

Ist es vielleicht einfach "aus der Mode"? Kann natürlich durchaus sein. Aber das dürfte dann wohl doch eher ein gesellschaftliches Problem sein...das würde ja im Endeffekt bedeuten, dass um die oben genannten Beispiele wieder aufzugreifen "Liebe, Sex und Arbeit" immer unbedeutender werden. Stattdessen wird wohl eher die Unterhaltung bedeutender (wobei Bluesmusik auch unterhalten sein kann...keine Frage, Beispiele gibt es zu viele um sie aufzuzählen). So hört man doch vielleicht heutzutage lieber "seichte" Musik zur Untermalung, nix mehr, wo man konzentriert zuhört und sich mitreißen lässt. Folgernd also wird die Musik unaussagekräftiger. Aber ist das wirklich der Sinn dieser Kunst? Man müsste sich also auch mal fragen, wieso man ein Bild an der Zimmerwand aufhängt. Weil es einfach reinpasst und gut dazu passt oder weil ich irgendwas damit verbinde? Ich habe z.B. nur Bilder mit denen ich etwas verbinde, ja sogar mit meinem "I want to believe"-UFO-Poster verbinde ich was. Oder eher gesagt, ich will etwas damit ausdrücken...
Genauso verhält es sich doch mit der Musik. Höre ich sie, weil sie mich emotional erfüllt, oder weil ich unterhalten werden möchte, wenn ich grad eine langweilige, vll. alltägliche Tätigkeit ausführe, wie Auto fahren oder so etwas.

Tatsache ist auf jeden Fall, es fehlt ein Forum. So findet man doch auf Plattformen wie wer-kennt-wen.de immer wieder überraschend Bekannte, von denen es man vll. nicht gedacht hätte, aber die ebenfalls Anhänger dieser Musikrichtung sind. Früher traf man sich in speziellen Clubs, um neue Infos z.B. über neue Platten auszutauschen. Hat man niemanden direkt, mit dem man sich austauschen kann, fehlen schnell Informationen über talentierte Künstler oder Gigs in der Nähe. So ist es doch wichtig, dass die Anhänger und Musiker dieser aussterbenden Musikrichtung zusammenhalten und sich austauschen. Denn das ist sowieso - nach der emotionellen Erfüllung der Kunst - wohl das zweitwichtigste: die Diskussion über die Kunst. Und im Umkehrschluss gesehen: sieht man doch sowieso eher seltener, dass noch ernsthaft über die Musik von heute diskutiert wird.