Juhu, da ist es nun, das Fest der Liebe. Wie wurde es von so vielen Menschen herbeigesehnt, in dieser heutigen tristen Welt wenigstens an einem Tag im Jahr ein wenig Hoffnung und Liebe. Weil wir uns alle lieb haben schenken wir uns was. Genauso wie Gott uns damals Jesus Christus geschenkt hat. Also lasst uns im Wald ein paar Tannenbäume abschlagen, diese in allen glitzernden Farben schmücken und unsere Fenster mit Lichterketten erleuchten. Und weil wir uns alle so lieb haben schicken wir ganz nette Briefe in der Nachbarschaft rum, wo Geschichten von Hoffnung und Liebe draufstehen. Und lass uns in die Kirche gehen, unser nette Pfarrer freut sich sicher auch uns nach einem Jahr mal wieder zu sehen. Ja, wir glauben halt nicht wirklich an Gott.
Zu oft hört man in letzter Zeit solche Aussagen. Aber was macht denn diese Faszination aus? Wieso gehen Menschen, die absolut gar nichts mit Religion am Hut haben an Weihnachten in die Kirche - zum einzigen Mal im Jahr? Wieso verprassen Leute ihren Schotter beim vorweihnachtlichen Geschenkeeinkauf? Wieso werden Unmengen von Nadelbäume gepflanzt, nur um nach ein paar Jahren abgeschlagen zu werden und als glitzernde und blinkende Dekoration zu enden? Wieso hinterfragen irgendwelche Idioten jedes Jahr den tieferen Sinn hinter dem ganzen Weihnachtsrummel?
Genug der Fragen. Ich meine ganz einfach, es ist doch schon auf irgendeine Art leicht schwachsinnig von einem Fest der Liebe zu reden. Das Fest der Liebe hat nichts mit Gott oder Jesus zu tun. Die beiden sind tot, um es mit den Worten von Nietzsche zu sagen. Die Geburt Jesus zu feiern wäre für mich noch ein plausibler Grund und durchaus nachvollziehbar. Aber was hat der Weihnachtsmann mit Jesus zu tun? Diese Frage konnten mir meine Eltern, als ich noch ein kleiner Hosenscheißer war, auch noch nie beantworten. So reden wir alle vom Fest der Liebe, vom Fest anlässlich der Geburt Jesus und gehen ins Geschäft und kaufen unseren Besten Sachen. Egal was drin ist - hauptsache es kommt von Herzen, sagen die Menschen, wenn sie ein Geschenk aufmachen. Aber das ist doch eine glatte Lüge. Wenn man etwas geschenkt kriegt, dann will man auch etwas, was einem gefällt. Da kann man noch so sehr etwas über Liebe rumstammeln.
Worauf ich hinaus will ist genauso einfach, wie schmerzhaft zu verstehen. Liebe und Hoffnung ist ein Synonym für Kommerz und Gewinn. So beweisen wir den Mitmenschen unsere Liebe indem wir ihnen etwas schenken, während im Hintergrund irgendwelche schmalzigen Weihnachtsfilme über über schlechte Menschen, die plötzlich an Weihnachten geläutert werden, laufen. Je größer, teurer und besser das Geschenk, desto mehr haben wir den anderen lieb. Und um uns zu beweisen, dass wir nette Menschen sind, schicken wir Weihnachtsbotschaften an Bekannte. Wie man Weihnachten also auch nennen könnte, das Fest der Heuchelei und des Kommerz.
Also Leute, ab in die Stadt, verprasst euer Geld für Leute, denen ihr am Liebsten eine Reinhauen würdet und macht die Kapitalisten glücklich! Denn Weihnachten bedeutet ganz einfach die Manipulation durch die Medien, im Fernsehen werden Weihnachtsfilme ausgestrahlt, wo glückliche Menschen, große Geschenke in Händen halten, im Radio wird Weihnachtsmusik ausgestrahlt, wo glückliche Menschen über ihre großen Geschenken singen und uns wird schon von Kindesbeinen an beigebracht: Weihnachten bedeutet Geschenke. Geschenke. Geschenke. Oder anders gesagt: Konsum, Konsum, Konsum. Weihnachten bedeutet also Manipulation durch die Kapitalisten, dass wir noch mehr konsumieren und noch mehr Geld in ihre Taschen spülen. Die Liebe und Hoffnung bleibt eindeutig bei solch einer Ausbeutung auf der Strecke. Weihnachten, das Fest der Ausbeutung. Wie schön. Hoffentlich gibts irgendwann Schnaps, dann wird es auch für mich ein schönes Weihnachten.
Donnerstag, 24. Dezember 2009
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