Dienstag, 31. März 2009

Ja, ich höre Blues...

Am Samstag war ich nun endlich bei einem Gary Moore Konzert. Das Durchschnittsalter des Publikums lag hoch, bestimmt bei über 40. Eigentlich ist es doch schade, schließlich ist GM ein Könner an seinem Instrument, um nicht zu sagen, dass er vll. auch gar ein Genie daran ist. Das mag auch subjektiv sein. Aber selbst mein vorher noch recht kritischer Bruder, ein Gitarrist in ener regional relativ bekannte Metalband war begeistert (er ist übrigens Mitte 20, zum Thema Alter).
Der Blues ist also am Aussterben, darüber habe ich mich auch mit dem Bluesigitarristen und - harpisten Chris Kramer unterhalten. Als er einen Gig - organisiert von einem Ortsverein, der sich für die Förderung der hiesigen Gastronomie in Verbindung mit Kultur einsetzt - bei uns im Ort gab, dem ein Publikum von ganzen 8 Personen beiwohnte. 6 davon gehörten übrigens zu den Organisatoren. Na gut, okay, Vorteil für mich, mir wurde der Eintrittspreis erlassen. Aber im Prinzip ist das kein gutes Zeichen. Beziehungsweise ein weiteres Indiz dafür, dass eine der traditionellsten und spirituellsten Musikformen am Aussterben ist. Doch wie kann das sein?

Wie kann eine Stilrichtung nicht mehr Salonfähig sein, die die Grundbedürfnisse des Menschen anspricht und beschreibt? So gehen traditionelle Songs doch hauptsächlich über Liebe, Sex und Arbeit. Wobei die Musik trotzdem vielschichtig bleibt. Ein Mann mit einer Gitarre und seiner Stimme, wie z.B. die alten Großmeister Robert Johnson und andere, später Bo Diddley und John Lee Hooker, und natürlich der noch lebende B.B. (Blues Boy) King.

Ist es vielleicht einfach "aus der Mode"? Kann natürlich durchaus sein. Aber das dürfte dann wohl doch eher ein gesellschaftliches Problem sein...das würde ja im Endeffekt bedeuten, dass um die oben genannten Beispiele wieder aufzugreifen "Liebe, Sex und Arbeit" immer unbedeutender werden. Stattdessen wird wohl eher die Unterhaltung bedeutender (wobei Bluesmusik auch unterhalten sein kann...keine Frage, Beispiele gibt es zu viele um sie aufzuzählen). So hört man doch vielleicht heutzutage lieber "seichte" Musik zur Untermalung, nix mehr, wo man konzentriert zuhört und sich mitreißen lässt. Folgernd also wird die Musik unaussagekräftiger. Aber ist das wirklich der Sinn dieser Kunst? Man müsste sich also auch mal fragen, wieso man ein Bild an der Zimmerwand aufhängt. Weil es einfach reinpasst und gut dazu passt oder weil ich irgendwas damit verbinde? Ich habe z.B. nur Bilder mit denen ich etwas verbinde, ja sogar mit meinem "I want to believe"-UFO-Poster verbinde ich was. Oder eher gesagt, ich will etwas damit ausdrücken...
Genauso verhält es sich doch mit der Musik. Höre ich sie, weil sie mich emotional erfüllt, oder weil ich unterhalten werden möchte, wenn ich grad eine langweilige, vll. alltägliche Tätigkeit ausführe, wie Auto fahren oder so etwas.

Tatsache ist auf jeden Fall, es fehlt ein Forum. So findet man doch auf Plattformen wie wer-kennt-wen.de immer wieder überraschend Bekannte, von denen es man vll. nicht gedacht hätte, aber die ebenfalls Anhänger dieser Musikrichtung sind. Früher traf man sich in speziellen Clubs, um neue Infos z.B. über neue Platten auszutauschen. Hat man niemanden direkt, mit dem man sich austauschen kann, fehlen schnell Informationen über talentierte Künstler oder Gigs in der Nähe. So ist es doch wichtig, dass die Anhänger und Musiker dieser aussterbenden Musikrichtung zusammenhalten und sich austauschen. Denn das ist sowieso - nach der emotionellen Erfüllung der Kunst - wohl das zweitwichtigste: die Diskussion über die Kunst. Und im Umkehrschluss gesehen: sieht man doch sowieso eher seltener, dass noch ernsthaft über die Musik von heute diskutiert wird.

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