Freitag, 15. Juni 2012

Der Triumpf von tagesschau.de


Liebe tageschau.de-Redaktion,

Ihre Redakteure haben das durchaus richtig erkannt, so lernen das sogar BWL-Studenten in der Vorschule, dass Überschriften Fragen aufwerfen sollten, die im Laufe des Textes beantwortet werden, um das Interesse der Leserschaft zu wecken. So war heuer auf Ihrer Onlineplattform (dieser eloquente Ausdruck verdrängte ja unlängst das heute wie hauptschul- bzw. realschule plus B-Kurs-deutsch klingende „Homepage“ aus dem Sprachgebrauch) zu lesen „Spanien feiert Triumpf gegen Irland“. Doch leider brachte das Lesen des Artikels nicht die Antworten auf Fragen wie, "Hat der Duden nun auch endlich alternative Schreibweisen von weit verbreiteten Kochgeräten namens „Töphen“ aufgenommen?" oder "Hat endlich mal jemand sein Kind „Christopf“ getauft?".
Die eigentliche Frage, die sich mir daher in dieser späten Stunde stellt, ist folglich, ob Ihre Redakteure wirklich dafür bezahlt werden, alle zwei Stunden die aufgerufenen Pornos zu minimieren und voller Konzentration fünf Minuten lang intelligent klingende Artikel zu verfassen oder ob sie tatsächlich einfach nur der Jugend ein gutes Beispiel sein wollen und sich die um diese Uhrzeit die Birne schon so mit alkoholischen Getränken zugeknallt haben, dass sie noch nicht mal mehr die Rechtschreibprüfung von Word kritisch hinterfragen können.


In Erwartung eines Anstellungsgesuch, da der selbstüberzeugten Meinung genau diese Kriterien erfüllen zu können,

Peter S.

Dienstag, 12. Juni 2012

Die Heldentaten Kurt B.s - Ein Brief an mein Idol


Sehr geehrter Kurt Beck,

Sie sind mein neuester Held. Nicht nur, weil Sie sich nun schon seid fast 18 Jahren für die Armen und Schwachen in diesem Land einsetzen. Bei Ihnen wirkt es keinesfalls gönnerhaft oder selbstverherrlichend, wenn Sie Hartz-IV Empfängern, die Sie beleidigen Tipps geben und gar die neue Frisur bezahlen oder davon erzählen, dass Sie auch schon Hartz-IV-Empfängern neue Waschmaschinen privat bezahlt haben, weil das Arbeitslosengeld nicht gereicht haben. Mir steigen Tränen in die Augen, wenn Sie davon sprechen, wie sehr Sie sich darüber ärgern, dass Schleckerangestellte nicht gerettet werden können und ich möchte dem dreckigen Piraten am liebsten eine reinhauen, weil er Sie dann abends in der Talkshow mit dämlichen Fragen provoziert hat. Vor allem, weil dieser Drecksspasti Arbeitslos war, der soll sich lieber erstmal arbeit suchen, bevor er sich mit einem harten Arbeitstier wie Ihnen verbal messen will. Da hätte ich Sie am liebsten beim Zugucken in die Arme genommen um sie zu trösten (wobei ich wahrscheinlich unter Lebensangst gezittert hätte, dass Sie mich – natürlich unabsichtlich – dank ihrer kräftigen Statur zerdrückt hätten).

Sie sind mein persönlicher Held, Kurt Beck. Sie nehmen sich nicht nur persönlich den Armen und Bedürftigen an, sondern richten auch Ihre Politik auf diese Interessen aus. So haben Sie und Ihre bedienstenen Knechte in der Landesregierung das Nürburgringprojekt ins Leben gerufen um Arbeitsplätze zu schaffen. Immerhin haben wir dank Ihnen in Rheinland-Pfalz mit 7% eine der geringsten Arbeitslosenquoten. Und mit dem Projekt "Nürburgring 2009" setzen Sie nicht nur zum Ende Ihrer fast 18-jährigen Regentschaft ein Denkmal, sondern auch unserem glorreichen Land!

Sie sind mein persönlicher Held, Kurt Beck. Denn Sie sind so ehrlich sich selbst auch Fehler einzugestehen! Um bei dem Nürburgringprojekt zu bleiben: Sie geben offen zu, dass die Finanzierung "gründlich schiefgegangen" sei und sind sogar so selbstkritisch, dass Sie zugeben "da hätte ich wohl mehr nachfragen müssen". Aber wirklich schlimm war Ihr Fehler ja nicht, immerhin sind Sie immer noch im Amt. Zum Glück! Und in Zukunft scheint es ja rosig auszusehen für dieses Großprojekt in das Sie 350 Millionen Steuergelder geschossen haben: "Es mag Teile geben, wo an einigen Wochentagen nicht viel los ist. Aber die Zahlen sprechen für sich. Wir haben am Ring jetzt mehr Übernachtungen als je zuvor." Und das in der Touristik-Gegend Eifel, die als einer der Welttouristikgegenden zählt und die Formel 1, die nur noch alle 2 Jahre am Nürburgring Station macht, nicht mehr ausverkauft ist! Und zum Glück musste das Land Rheinland-Pfalz zwei Monate nach dieser Äußerung nicht noch mehr Geld nachschießen!
Ich erstarre förmlich vor Ehrfurcht, wenn ich daran denke, wie sehr Sie dieses Land nach vorne treiben!

Sie sind mein persönlicher Held, Kurt Beck. Und zwar weil Sie nach Ihrem missglückten Versuch in der Bundespolitik Fuß zu fassen – natürlich haben Sie irgendwann gemerkt, dass Ihr Herz in Wahrheit für die Armen und Bedürftigen diesen Landes reserviert ist und Sie deswegen nicht zusätzlich zu Ihrem Amt als Landesdespot nicht noch ein Amt ausführen konnten – nicht angesäuert sind. Sie sagen immer noch Ihre Meinung – auch den Pressevertretern gegenüber – und das bewundere ich! Sie trauen sich denen knallhart ins Gesicht zu sagen, dass Sie "denselben taktischen Blickwinkel haben, wie die Bundespolitik". Welch großartige und eloquente Wortwahl! Sie hätten auch sagen können, dass Ihnen so Leute auf den Sack gehen. Aber nein so sind Sie nicht, denn Sie wollen ja niemanden "dumm aussehen" lassen, wie z.B. Manuela Schwesig, deren Unterhändlertätigkeit im Hart-IV-Streit im Februar letzten Jahres, Sie beendeten, weil Sie es in der Männerrunde im Bundesrat einfach besser konnten. Sie sind nicht der Typ für diese taktischen Spielchen oder "Kraftmeieren" innerhalb Ihrer Partei!

Sie sind mein persönlicher Held, Kurt Beck. Und zwar, weil Sie sich stets Ihren Urlaub selbst bezahlen können und nicht wie andere niederträchtige Herren Ihrer Zunft, sich den von "Partykönigen" bezahlen lassen.

Sie sind mein persönlicher Held, Kurt Beck. Nicht nur, da Sie mutig und zukunftsweisend die Schuldenbremse in RLP eingeführt haben, sondern, dass Sie sie auch konsequent in die Tat umsetzen. Immerhin steigen die Schulden des Landes schon konsequent in den letzten 12 Jahren, von 2000 bis 2009 sogar um 2109€ pro Einwohner, aber dafür können Sie ja nichts. Sie wollen die Schulden ja abbauen! Und das gelingt Ihnen einfach super! Sie sparen schlau und zwar in Bereichen, die absolut unwichtig sind, wie z.B. die Bildung der Bürger. Genial der Einfall diesen Schandfleck "Hauptschule" abzuschaffen und die ohnehin schon Minderwertigkeitskomplexen ausgesetzten weniger intelligenten Kindern den Namen "plus" zu geben. Damit haben Sie nicht nur Stellen von höheren Beamten, wie Rektoren und Konrektoren oder die Gehälter von normalen Lehrern eingespart, sondern der Unterricht wurde gar revolutioniert, denn nun können "föderungswürdige" Kinder in B-Kursen besser gefördert werden! Aber es gibt ja ohnehin immer weniger "schwierige Fälle", "Problemschulen" oder fast ausgewachsene Schüler, die sich von Fast-Food-Verkäuferinnen erklären lassen müssen, wie man einen Coupon aus einem Coupon-Bogen gesondert verwendet. Sowas gibt es auf diesem Fleckchen Erde mit dem wundervollen und viel zu kurzem Namen "Rheinland-Pfalz", wo Kurt Beck vor 18 Jahren die Erde geküsst hat.

Sie sind mein persönlicher Held, Kurt Beck. Weil sie auch an Universitäten sparen! Immerhin sind die doch schlau genug, um selbst an Geld zu kommen. Die haben ja auch genug Zeit um sich auszudenken, wie Sie z.B. die 5 Mio. Im Haushalt fehlenden Euros der Universität Trier doch noch reinbekommen. Sie fördern damit den Unterricht, denn nun haben auch Studenten und Professoren eine praktische Aufgabe an der sie forschen können! Dadurch müssen dann auch keine Stellen an Universitäten gestrichen werden.

Sie sind mein persönlicher Held, Kurt Beck. Denn Sie haben die Studiengebühren in RLP abgeschafft, die nach Beendigung der Regelstudienzeit des Bachelors angefallen wäre. Dafür bin ich Ihnen als Student besonders dankbar.

Sie sind mein neuester persönlicher Held, Kurt Beck. Nicht nur, weil Sie dies alles geschafft haben, sondern auch, weil Sie es trotz dem ganzen Stress eines Politikers immer noch schaffen "Nah an de Leut"-zu sein und immer gut gelaunt und vor allem gut gepflegt aussehen. Sie dürfen einfach nicht abdanken – es treibt mir ein Schluchzen in die Kehle daran denken zu müssen, wie dieses Land ohne seinen "Landespapa" – wie die Medien Sie hierzuland liebevoll nennen – aussehen soll.

Wegen all dem möchte ich Ihnen mein persönliches Denkmal setzen. Mein viertgeborenes Kind oder mein vierter Hund, je nach dem ob das Leben mir in Zukunft eine liebende Ehefrau an die Seite schickt, soll nach Ihnen "Kurt" benannt werden. Seine Geschwister Guido, Angela und Horst werden sich darüber sicherlich sehr freuen.

In großer Verbundenheint, Ihr ergebenster Diener

Peter S.
(Autor dieses Blogs)

Dienstag, 5. Juni 2012

Die Welt in Syrien


In Syrien sterben täglich Menschen. Regelrechte Massaker an der Bevölkerung häufen sich und die Welt schaut zu. Der UNO sind dank der Vetos Russlands und Chinas die Hände gebunden, ein UNO-Mandat für eine Intervention scheint unwahrscheinlich. Als offiziellen Grund geben beide Länder den misslungen Einsatz im ebenfalls von Demonstrationen erschütterten Libyen 2011 gegen eine Intervention gegen das syrische Assad-Regime an, doch die Gründe sind wahrscheinlich viel komplexer. Im Falle Russlands spielt natürlich auch noch das liebe Geld, mit dem Assad lange Jahre zum verbundenen Partner aufgebaut wurde, eine Rolle. Diese eingesetzten Mittel wären verschwendet und der Bündnispartner pfutsch. Doch es gibt Gründe die sind noch viel weitreichender, Syrien hat momentan weltpolitische Bedeutung:
  • Syrien hat eine brisante geographische Lage: Im Norden grenzt Syrien an die Türkei, das Sprungbrett der USA in den Nahen Osten, im Westen an den Libanon, der durch Angriffe von Israel und Besetzungen durch Syrien Schlagzeilen macht, die Golanhöhen im Süden des Landes sind von Israel besetzt, im Osten grenzt das Land an den seit 2003 von der USA besetztem Irak, im Süden ist noch ein weiterer traditionell wichtiger Bündnispartner der USA beheimatet: Jordanien. Syrien nimmt daher eine geografisch zentrale Position zwischen den momentanen Konfliktparteien Israel und Iran ein.
  • Neue weltpolitische Situation: Die USA als schlingernde Großmacht hat mit Sparzwängen zu kämpfen, da die Wirtschaft schwächelt; China hat sich schon lange nicht nur als wirtschaftliche, sondern in den letzten Jahren, vor allem durch Cyberkrieg gegen die USA auch als militärische Großmacht Reden gemacht; Russland will sich weltpolitisch wieder beweisen, nachdem sie sich bei dem Libyen-Konflikt nicht quergestellt haben; weltpolitische Einflussnahme der Arabischen Liga, allen voran Katar und Saudi Arabien, die immer mehr versuchen einflussreiche Rollen in der Arabischen und der Weltpolitik zu spielen
  • Syrien unterhält enge Kontakte zu den radikal-islamischer Terrororganisationen Hisbollah und Hamas und fungierte somit in Vergangenheit häufig als Vermittler zwischen Westmächten und Terrororganisationen
Daraus ergibt sich eine politische Konstellation, die einem Pulverfass gleicht. Denn Syrien nimmt nicht nur geografisch eine zentrale Rolle im Konflikt zwischen USA/Israel und Schurkenstaaten im Nahen Osten (Iran) ein, sondern mit der Vermittlerrolle zwischen USA/Israel und den radikal-islamistischen Terrororganisationen eine politisch zentrale Rolle im "Kampf gegen den Terror" der USA. Unter der Bush-Regierung haben noch viel weniger Gründe für einen Militäreinsatz im Verbund mit anderen Staaten (damals im Irak) gesorgt, mehr oder minder an der UN vorbei, als "Allianz der Willigen". Wieso die Lage in Syrien nicht nur weltpolitisch so brisant, sondern auch deutschlandpolitisch, hat aber nicht viel damit zu tun.
Das wirklich brisante ist, dass wir nicht nur an der Kippe eines Stellvertreterkrieges stehen, sondern auch an der Kippe eines zweiten Kalten Krieges – wahrscheinlich einem dreimal schlimmeren. Diesmal geht es nicht um Sozialismus oder Kapitalismus, Freiheit oder Unterdrückung, Volk oder autoritärer Staatsführung, nein es geht hier auch nicht um einen Konflikt zwischen Christen und Muslimen (der von der USA in den letzten Jahren stilisiert worden ist), sondern um die Interessen der Großmächte Russland, China, den Ölländern (allen voran Saudi Arabien und Katar, die in letzter Zeit immer mehr ihre politischen Muskeln springen lassen) und den USA.
Interessant wäre es, die aktuelle Aufrüstung Israels in diesen Kontext zu setzen. Die NATO baut einen "Raketenschutzschild" Osteuropa. Israels Protegé-Mächte USA und Deutschland beliefern Israel mit Waffen, USA liefert die Atombomben, Deutschland liefert die passenden Abschuss-U-Boote. Die russische Regierung fühlt sich bedroht. Das war nicht nur Putins Antwort auf den NATO-"Raketenschild", sondern auch Russlands Außenminister warnte den Westen, dass jemand der sich in innerstaatliche  Angelegenheiten anderer Staaten (z.B. bei einem ihrer Bündnispartern) einmischen würde, schnell selbst Feuer fangen könnte (sinngemäß).
Diese festgefahrene "Kalter-Krieg-Diplomatie" ist aber nicht das einzige Problem, welches zu einem gewaltsamen Flächenbrand führen könnte. Die ersten Nachbarländer wurden nicht nur schon in den "Bürgerkrieg" involviert (Schüsse über die Grenze zur Türkei, mit denen ohnehin ein gespanntes Verhältnis gepflegt wird). Syrien wird auch von muslimischen Extremisten als letzte Hochburg angesehen, da dort in ihren Augen die letzte "islamistische Diktatur" ist, die nach dem sog. arabischen Frühling übrig geblieben ist. Und auch sind die Muslime im Nahen Osten unter sich zerstritten und sich am bekämpfen.

Frau Teflon...ähh...Merkel sagt dazu wie gewohnt nicht viel und verkauft weiterhin atombombenfähige U-Boote an die rechtsextreme Regierung in Israel. Außenminister Westerwelle bemüht sich nun nicht diesselben Fehler wie damals beim Libyen-Einsatz zu machen und um eine diplomatische Lösung. Als erstes verwies er nicht in Deutschland anwesende syrische Diplomaten des Landes. Mal davon abgesehen, dass der Syrienkonflikt ein großes globales diplomatisches Versagen darstellt, er beweist auch wie viel Einfluss die Regierung der "neuen europäischen Supermacht" Deutschland außerhalb Europas hat. Mit Menschenleben kann man heutzutage halt noch nicht mal mehr Banken retten. Wobei ja auch in solchen Angelegenheit Merkels Devise "weniger ist mehr" ist.