Dieser Blogeintrag entsteht aus nur einem Grund: Bestürzung. Bestürzung über das Verständnis eines Betrügers. Und zu allem Verdruss, dass Verständnis für einen Betrüger in einer Vorbildfunktion. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Wer einen solchen Namen hat darf sich viel erlauben, leider scheint die mittelalterliche Aristokratie noch nicht ganz untergegangen zu sein. Bevor ich auf die aktuellen Themen eingehe, erstmal eine knappe Zusammenfassung des Lebenslaufs dieses ungewöhnlichen Menschens.
Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg stammt aus deinem fränkischen Adelsgeschlecht. Er machte das Abitur in Rosenheim, begann danach Politikwissenschaft zu studieren, wechselte aber dann zu den Rechswissenschaften in Bayreuth. Er bestand das erste Staatsexamen mit "befriedigend", das zweite (um ein sog. "Volljurist") zu werden machte er gar nicht. Damit hatte er übrigens keinen Anspruch auf eine Promotion. Ermöglicht wurde diese durch eine Ausnahmegenehmigung des damaligen Dekans (übrigens aktives CSU-Mitglied) der Uni Bayreuth (Quelle). Verheiratet ist er mit einer sehr guttaussehenden Frau, Ururenkelin des Reichskanzlers Otto von Bismarck (Alle Infos auf wikipedia nachzulesen).
Jetzt zurück zum aktuellen Thema. Niemals wollte ich eigentlich so viel Raum und Zeit einem Politiker widmen. Allerdings wird der Kotzreiz von Minute zu Minute größer. Nicht wegen Medienberichten. Sondern wegen einigen Stimmen aus dem Volke. Stimmen, die auf Trugbild des mendienwirksamen Menschen zu Guttenberg reingefallen sind. Stimmen, die einer inszenierten Persönlichkeit auf den Leim gegangen sind. Ich bin absichtlich auf so ausführlich auf den Lebenslauf eingegangen. So möchte ich noch mal Denkanstöße zu ein paar Punkten geben: Dieser Mann scheint konservativen Werten folgend nahezu perfekt zu sein. Glücklich verheiratet mit einer Frau, die nicht nur hübsch aussieht, sondern auch sehr engagiert ist. Aus reichem Adelshaus stammend. Studiert, promoviert. Der Aufsteiger in der Politik. Mit nicht einmal 40 Jahren Bundesminister, DER Sympathieträger im Volk. Zu Perfekt?
Doch schien dem genauen Beobachter noch etwas anderes aufzufallen, was ab und zu zwischen dieser perfekten Fassade durchblitzte: Unsicherheit. Unsicherheit im Umgang mit Problemen und Unsicherheit in der Führung des ihm unterstellten Ministeriums. So möchte das Beispiel der Kundus-Affäre anführen: Nachdem das Verteidigunsministerium Maßnahmen gebilligt hatte, die bekannterweise eine große Anzahl von Zivilopfer fordern würde um die geklauten Tanklaster zu vernichten, verteidigte zu Guttenberg diesen Angriff am 6. November als "militärisch angemessen". Am 3. Dezember nannte zu Guttenberg nach Einsicht aller Dokumente als "militärisch nicht angemessen" (Quelle). Huch! Eine Kehrtwendung um 180°. Um das klarzustellen, ich habe nichts dagegen, dass Politiker Nachsicht zeigen und auch Fehler eingstehen. Aber eine solche Kehrtwendung nach der Einsicht aller Dokumente? Sollte der Inhaber der Kommandogewalt nicht vor einer Billigung eines solchen Angriffsschlages (Ironie, Ironie, Ironie, wenn man sich den Namen des Ministeriums in Erinnerung ruft) nicht im Bilde sein? Karl-Theodor von und zu Guttenberg gab sogar zu, dass er nicht im Bilde war, da von seinen Untergeben nicht ordnungsgemäß berichtet wurde (Quelle)!!!
Nächstes Beispiel: die Gorch-Fock-Affäre. Dort versuchte zu Guttenberg die Sache lange von sich wegzuschieben bis der Druck zu groß wurde. Sah er zu Beginn keinen Grund sich dieser Sache zu widmen, entließ er schlussendlich den Kapitän und sprach ein Machtwort. Schon wieder eine Kehrtwendung nach "Einsicht aller Dokumente".
Schlussendlich die Plagiatsaffäre: Tat er die Sache erst als lächerlich ab und behauptete felsenfest überzeugt, dass er unbeeindruckt davon die Geschäfte weiterzuführen. Doch schlussendlich trat er nach "Einsicht aller Dokumente" (lesen und überprüfen seiner eigenen Doktorarbeit) zurück. Stellt sich doch die Frage, ob er seine Doktorarbeit überhaupt jetzt zum ersten Mal liest.
Zuletzt möchte ich darauf hinweisen, was zu Guttenberg da geklaut hat. Ich zitiere aus meinem Lehrbuch: "Belohnung auf dem Gebiet der Wissenschaft prinzipiell in der Währung der Anerkennung von Fachkollegen für geleistete Arbeit gezahlt wird" (Robert K. Merton). Dieser Mann ist ein Dieb, ein Betrüger, genauso ein Wurm, wie Doper, Geldfälscher, Bankräuber. Der Unterschied ist, dass er sich in einer Vorbildsfunktion befand. Er zerstört den Ruf des Politikerberufs. Er hat sich strafbar gemacht (Eidesstattliche Erklärung ist vor jeder wissenschaftlichen Ausarbeitung Pflicht!), darauf möchte ich noch mal ganz direkt hinweisen. Natürlich kann man sein Verhalten damit entschuldigen, dass es Millionen anderer Betrüger über die nicht so ein Wind gemacht wird. Welch ein Witz. Der Inszenierung auf den Leim gegangen. An diesem Punkt möchte ich die CDU-Politikerin Anette Schavan zitieren, die sich zu diesem Thema äußerte: "Ich schäme mich."
Mittwoch, 2. März 2011
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